Blick-Tittmoning-von-Burg-aus

In Tittmoning (5888 Einwohner; hier und im Folgenden: Stand Anfang August 2016 lt. Einwohnermeldeamt) leben derzeit insgesamt 530 Menschen mit einer anderen Staatsangehörigkeit als der deutschen. Ihre Herkunftsländer sind vielfältig, von A wie Afghanistan, Amerika und Australien bis T wie Trinidad und Tobago. Die meisten kommen aus – na, erraten? Österreich (141)!

Unter den Tittmoningern mit anderer Staatsangehörigkeit als der deutschen sind neben einer fünfköpfigen nigerianischen Familie, die im Mesnerhaus der evangelischen Gemeinde ein Zuhause gefunden hat, auch mehr als 60 meist junge Männer aus Pakistan (22), Syrien (28), Afghanistan (15) sowie aus dem Irak (2), die zum größten Teil in den Zimmern der Florianistube am Stadtplatz sowie in einer Wohnung in der Wasservorstadt und – seit April – in der Unterkunft Mayerhofen untergebracht sind. Diese Unterkünfte stellt der Landkreis Asylbewerbern zur Verfügung, über deren Anträge noch nicht entschieden ist, während neun bereits anerkannte Flüchtlinge in Gemeindewohnungen der Stadt in Asten und Törring leben, wo sie auch Miete entrichten. Einer der anerkannten Flüchtlinge aus Syrien konnte inzwischen Frau und Kind nachholen. Die kleine Familie hat eine Wohnung am Stadtplatz gemietet.

Weiterhin leben bei uns auch insgesamt acht unbegleitete Jugendliche, von denen zwei aus Afghanistan kommen und schon länger bei einer Tittmoninger Familie aufgenommen wurden. Die anderen sechs Jungen zwischen 15 und 17 Jahren, von denen vier aus Syrien kommen und zwei aus Afghanistan, sind seit Januar in einer kleinen Einrichtung der Jugendhilfe „startklar“ im Pfarrhaus Asten untergebracht. Da diese minderjährigen Asylbewerber ohne Erziehungberechtigte ins Land gekommen sind, ist der Staat nach den Standards der Jugendhilfe verpflichtet, für sie Obdach, Nahrung, Kleidung und auch pädagogische Betreuung zur Verfügung zu stellen.

Die Menschen, die im vergangenen Jahr zu uns nach Tittmoning gekommen sind, gehören zu den Asylsuchenden und Flüchtlingen, die seit Sommer 2015 nach einer deutschlandweit verbindlichen Quote auf die Bundesländer, vom bayerischen Staat dann wiederum nach einem festen Schlüssel auf alle Regierungsbezirke und Landkreise verteilt werden. Im Landkreis Traunstein haben bis 01. Juli dieses Jahres insgesamt 1879 Asylbewerber eine Bleibe gefunden. 521 von ihnen sind derzeit in den fünf zentralen Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Oberbayern im Landkreis (Traunstein, Grassau, Engelsberg, Inzell, Trostberg) untergebracht. Um die 140 unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge, für die andere Vorschriften gelten als für Erwachsene, kümmert sich das Jugendamt. Für die Unterbringung der übrigen Hilfesuchenden ist der Landkreis (Sachgebiet Soziales und Senioren) auf Unterkünfte in den einzelnen Städten und Gemeinden angewiesen.

Tittmoning
Einwohner: 5888
Asylbewerber: 67
Ehrenamtliche Helfer: 85

Das Engagement, aber auch die Möglichkeiten der verschiedenen Kommunen sind dabei unterschiedlich. Neben den großen Städten Traunreut, Traunstein und Trostberg konnten bislang z.B. auch die Fremdenverkehrsorte Ruhpolding, Siegsdorf und Bergen jeweils über 100 Plätze anbieten. Diese Zahlen sind in letzter Zeit durch die Schließung dezentraler Unterkünfte zurückgegangen, nachdem mehrere Gemeinschaftsunterkünfte (z.B. in Traunreut), die unter dem Druck der Flüchtlingswelle vor Schließung der Balkanroute geplant worden waren, inzwischen fertig gestellt wurden oder werden. Auch zu uns sind durch solche Umbelegungen neue Asylbewerber gekommen, die vorher etwa in Ruhpolding gelebt hatten. Mit einer Quote von 3% der Bevölkerung liegt Tittmoning etwa im Landkreis-Durchschnitt. Kleine Gemeinden haben oft einen geringeren Anteil an Asylbewerbern, die großen Städte allerdings bis zu 12 %.

Die aktuell in Tittmoning untergebrachten Asylbewerber sind zwischen 3 und 53 Jahre alt, die allermeisten sind muslimischen Glaubens. Nur ein Teil von ihnen spricht Englisch, nicht alle können unser Alphabet lesen. Deutschunterricht erhalten sie meist durch Ehrenamtliche aus dem Tittmoninger Helferkreis – und einige von ihnen seit Neuestem auch im Integrationskurs, der auf Betreiben des Helferkreises kürzlich in Tittmoning angelaufen ist. Sofern die Sprachkenntnisse ausreichen, sind die meisten Asylbewerber und anerkannten Flüchtlinge froh darum, wenn sie arbeiten können. Die Kinder des nigerianischen Paares gehen hier in die Krippe, den Kindergarten und zur Schule, auch die Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien besuchen Schulen, vier Männer haben bereits feste Arbeitsverträge bei Firmen vor Ort, einige Asylbewerber haben bereits ein Praktikum gemacht oder leisten es gerade ab. Dass dies der Einstieg in Ausbildung und Beruf sein kann, zeigt das Beispiel zweier unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die im Herbst eine Lehre in Tittmoning antreten.

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(Zusammengetragen und verfasst von Gerda Poschmann-Reichenau)